Erste Trompete

Warum man Noten für die B-Trompete umschreiben muss und wie es geht

Warum man Noten für die B-Trompete umschreiben muss und wie es geht – Notenständer mit Originalnoten im Gartenhaus

Mein rechter Zeigefinger riecht noch nach frischem Ventilöl, während ich im Gartenhaus zum wiederholten Mal denselben Takt aus So What anpacke – und zum wiederholten Mal kommt aus meiner B-Trompete ein C, wo die Klavieraufnahme auf einem B besteht. Genau an diesem Punkt merkt jede Späteinsteigerin beim Trompete lernen, dass Notenlesen allein nicht reicht. Die Trompete in B transponiert, und ohne ein Mindestmaß an Musiktheorie bleibt jedes Mitspielen reines Glücksspiel.

Die Erklärung dahinter ist schnell erzählt. Eine Trompete in B klingt einen ganzen Ton tiefer, als die Note auf dem Papier verspricht – wer ein geschriebenes C spielt, erzeugt für alle anderen ein B. Niemand hat sich das böswillig ausgedacht: Es geht auf eine Zeit zurück, in der Blechbläser zwischen Instrumenten unterschiedlicher Stimmung wechseln mussten, ohne jedes Mal eine neue Grifftechnik zu lernen. Für eine ehemalige Finanzbeamtin, die ihr Leben lang mit Zahlen gearbeitet hat, die aufgehen müssen, fühlt sich ein C, das kein C ist, erst mal wie ein Fehler in der Buchführung an.

Seit ich mich mit Volker Wiersgalla aus dem Trompeten-Forum austausche, ist mir klar geworden, dass sich dieses Problem auf zwei grundverschiedene Arten lösen lässt – und dass beide Wege ihren Preis haben.

Transponieren für die B-Trompete: handgeschriebene Noten und Mundstück auf dem Holztisch

Zwei Wege durchs Transpositions-Dilemma

Grundsätzlich bleibt dir die Wahl zwischen zwei Strategien: Entweder du schreibst jede Note vorab von Hand in die passende Tonhöhe um, oder du trainierst dein Gehirn darauf, die Verschiebung in dem Moment zu vollziehen, in dem der Ton gespielt wird. Beide Wege führen zum selben Ziel, aber sie verlangen komplett unterschiedliche Fähigkeiten – und eignen sich für komplett unterschiedliche Situationen.

So schreibst du jede Note von Hand um

Die Regel dafür ist simpel, sobald man sie einmal verinnerlicht hat: Weil die Trompete zwei Halbtöne zu tief klingt, wandert jede Note auf dem Papier zwei Halbtöne nach oben. Aus einem C wird ein D, aus einem F ein G, aus einem G ein A. Nimm ein einfaches Kirchenlied, dessen Melodie mit einem G beginnt – spielst du dieses G, wie es dasteht, klingt aus deiner Trompete ein F, und das Klavier übertönt dich gnadenlos. Schreibst du die Note dagegen eine Stufe höher als A, trifft sich die Trompete mit dem Rest der Band.

Mühsam ist dieser Weg, keine Frage – jedes Stück aus dem Ordner einmal komplett zu übertragen kostet Zeit am Küchentisch. Wer nebenbei noch Noten lesen lernt, hat an der Stelle doppelte Arbeit, weil zwei fremde Systeme gleichzeitig im Kopf entstehen müssen. In meinen Erfahrungen mit der Online Trompetenschule für Anfänger von meineMusikschule habe ich gemerkt, dass sich genau diese Geduld am Ende auszahlt: Ist ein Stück einmal umgeschrieben, bleibt es für immer spielbar, ohne dass während des Spielens noch nachgedacht werden muss.

Noten für die B-Trompete umschreiben: Bleistift-Abschrift neben der Trompete beim Üben

Im Kopf transponieren verlangt ein anderes Training

Volker macht es anders. In seinen langen Forenbeiträgen – gelegentlich mit einem Foto seiner Ventilölflasche als Beweisstück – beschreibt er, wie er sich antrainiert hat, die Verschiebung direkt beim Lesen vorzunehmen, ohne je einen Bleistift anzusetzen. Sieht er auf dem Blatt ein E, denkt er sofort Fis und greift das passende Ventil. Welches Ventil zu welchem Ton gehört, ist dabei schon die zweite Frage – die erste ist, welcher Ton überhaupt gemeint ist.

Dieser Weg verlangt mehr Training, bevor er überhaupt funktioniert. Mit dem Quintenzirkel im Kopf geht das Kopfrechnen leichter von der Hand, aber so weit war ich beim ersten Versuch noch lange nicht. Einmal war ich beim Nachspielen von Clifford Brown so auf die Intervall-Rechnerei konzentriert, dass ich schlicht vergessen habe zu atmen – heraus kam ein abgewürgter, kurzer Ton, der eher nach einer Fehlzündung klang als nach Jazz. Die Kopf-Methode bestraft jeden Moment der Unaufmerksamkeit sofort, während die Abschrift auf Papier die Tonhöhe schon vorgedacht hat.

Keine der beiden Methoden bringt allerdings etwas, wenn die Trompete selbst nicht sauber gestimmt ist – das Thema Kammerton (mehr dazu bei Kammerton) ist aber eine eigene Geschichte für sich. Wer das Gehör parallel schulen will, findet in meiner Liste über die besten Jazz Alben für Trompete Anfänger zum aktiven Hören und Lernen genug Material zum Üben.

Blick aus dem Gartenhaus-Übungsraum übers Münsterland in der Dämmerung nach dem Transponieren

Welcher Weg passt zu welcher Situation?

Für ein neues Stück, das du in den nächsten Wochen immer wieder spielen willst, lohnt sich die Abschrift auf Papier: Die Investition am Küchentisch zahlt sich bei jeder Wiederholung erneut aus, und während des Spielens bleibt der Kopf frei für Ansatz und Atem. Für spontanes Mitspielen dagegen – ein Playback, das gerade läuft, ein Notenblatt, das dir jemand in die Hand drückt – fährst du mit der Kopf-Methode besser, auch wenn sie am Anfang mehr Fehler produziert.

Meine Nachbarin Hedwig Zinnecker versteht von alldem kein Wort, hört mir aber geduldig zu, wenn ich ihr über den Gartenzaun erkläre, warum ich schon wieder zwei Fassungen desselben Liedes in der Hand halte. Der lange Atem, den beide Methoden am Ende brauchen, ist noch mal ein eigenes Thema – mehr dazu in wie ich meine Lungenkapazität für die Trompete im Gartenhaus verbessere. Welche der beiden Methoden am Ende die bessere ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – aber wer beide einmal ausprobiert hat, weiß wenigstens, welche zur eigenen Situation passt.

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