Erste Trompete

Wie das Üben von Bindungen auf der Trompete meinen Ton endlich schöner macht

Silberne Trompete im Gartenhaus bei Übungslicht – Lippenbindungen für einen schöneren Ton beim Trompete lernen üben

Man wartet oft damit, Lippenbindungen zu üben, bis der einzelne Ton makellos sitzt. Beim Trompete lernen habe ich das lange genauso gemacht – erst sollte jeder Ton für sich klingen, die Übergänge kamen dann irgendwann später. Genau diese Reihenfolge halte ich inzwischen für einen der größten Irrtümer im Ansatztraining, und ich habe selbst eine Weile gebraucht, um das zu merken.

Meine Antwort vorweg, damit du nicht lange rätseln musst: Es ist umgekehrt. Die Bindung zwischen zwei Tönen trainiert genau die Muskeln und den Atem, die auch den Einzelton tragen. Wer wartet, bis ein Ton für sich allein perfekt klingt, verpasst das Werkzeug, das ihn überhaupt erst dahin bringt.

Normalerweise schreibe ich hier im Münsterland-Tagebuch über einzelne Übungswochen. Diesmal geht es um einen Denkfehler, den ich viel zu lange mit mir herumgetragen habe und der bei so vielen Anfängerinnen sitzt, dass er einen eigenen Absatz verdient.

Der Irrtum mit dem perfekten Einzelton

Der Gedanke klingt erstmal logisch. Erst die Grundlage, dann die Kür – so hat man es mir früher im Blockflötenunterricht beigebracht, und genauso wollte ich es auch mit der Trompete machen: ein Ton, der sauber steht, bevor überhaupt an einen Übergang zu denken ist.

Nur steht ein Ton auf der Trompete nie wirklich für sich allein. Der Ansatz, der einen Ton hält, ist derselbe Ansatz, der ihn auch in den nächsten trägt, und die Atemstütze, die einen Ton stabil macht, ist genau die, die eine Bindung nicht abbrechen lässt. Wer das eine ohne das andere übt, übt nur die Hälfte.

Trompetenmundstück und Ventilöl auf Holztisch – Basis fürs Ansatztraining bei Lippenbindungen

Eine kostenlose App hatte ich aus reiner Sparsamkeit vorher schon ausprobiert. Die erklärte brav den Ansatz und einzelne Töne, und kaum ging es um die Übergänge zwischen den Tönen, hörte sie einfach auf, irgendetwas Neues zu zeigen. Ich saß dann mit einem Ton da, der für sich ganz okay klang, und einer Bindung, die einfach nicht kommen wollte.

Warum die Übergänge mehr trainieren als jeder Einzelton?

Bindungen, oder Lip Slurs, verlangen, dass die Lippen und die Luft allein den Ton wechseln, ohne dass ein Ventil hilft. Eine Standard-Trompete hat 3 Perinet-Ventile, aber bei den meisten Bindungsübungen bleibt keins davon gedrückt – man bewegt sich stattdessen innerhalb der Naturtonreihe. Das ist auch der Grund, warum eine Grifftabelle hier wenig hilft, so nützlich sie beim Erlernen der Fingersätze sonst ist.

Genau diese Ehrlichkeit macht Bindungen zur besten Ansatzübung, die ich kenne. Es gibt kein Ventil, hinter dem sich ein wackeliger Ansatz verstecken kann. Entweder tragen Lippen und Luft den Ton bis zum nächsten, oder er bricht weg, und man hört es sofort.

Hände an den Ventilen einer silbernen Trompete beim Üben von Lippenbindungen und Ansatztraining

Ein Beispiel: die Bindung von einem tiefen C zu einem G. Am Anfang habe ich versucht, den Sprung mit den Lippen zu erzwingen, fest zusammengepresst, als könnte ich den Ton so nach oben drücken. Das Ergebnis war ein Quietschen, bei dem selbst die Vögel vorm Gartenhaus kurz verstummt sind. Erst als ich aufgehört habe zu pressen und die Luft stattdessen schneller fließen ließ, kam der Ton oben sauber an. Welches Mundstück man dabei benutzt, macht übrigens auch einen Unterschied, aber das ist nochmal ein eigenes Thema für sich.

Kein Miles-Davis-Moment. Aber ein ehrlicher.

Ansatztraining, das nicht wartet

Beim Einspielen merke ich inzwischen als Erstes, ob der Tag mit den Bindungen etwas wird. Wenn ein langer Ton bis zum letzten Rest Luft ohne Druck durchläuft, ohne dass ich am Ende noch extra pressen muss, weiß ich, heute klappt es.

Meine Nachbarina singt im Kirchenchor der Lambertikirche, und als ich ihr von meinem Einzelton-Irrtum erzählt habe, hat sie nur gelacht. Im Chor, meinte sie, übe man auch nie eine Note für sich, sondern immer gleich den Übergang zur nächsten Zeile, weil genau da die meisten Fehler passieren. Nach Gehör hört man das ohnehin schneller als nach jeder Zähltechnik mit dem Metronom, das ich für die Bindungen bewusst noch gar nicht einsetze.

Der Geruch von nassem Holz, der nach einem verregneten Nachmittag im Gartenhaus hängen bleibt, gehört inzwischen zu diesen Übstunden dazu wie das Ventilöl. Noten lesen musste ich dafür übrigens kaum können, bei Bindungen zählt eher das Ohr als das Blatt vor mir. Die Ventile trotzdem regelmäßig zu ölen, gehört genauso selbstverständlich dazu, auch wenn bei den Bindungen selbst kaum eins bewegt wird. Wie oft ich das übe, spielt dabei inzwischen fast eine größere Rolle als wie lange am Stück.

Blick aus dem Gartenhaus übers Münsterland nach einer Übungsstunde mit Lippenbindungen

Fang mit den Übergängen an, bevor du bereit bist

Für die hohen Töne dachte ich lange, mehr Druck aufs Mundstück wäre die Lösung, aber das gehört in ein anderes Kapitel als dieses hier. Reines Buzzing nur mit dem Mundstück, ohne Trompete, habe ich mir trotzdem angewöhnt, bevor ich überhaupt eine Bindung ansetze – es zeigt sofort, ob die Lippen locker genug sind.

Ob der Ton am Ende auch sauber gestimmt ist, klären Stimmzug und Stimmgerät, das ist nochmal eine andere Baustelle. Wie ich die Trompete halte, hat sich nebenbei auch verändert, seit die linke Hand nicht mehr so verkrampft mitzieht, nur weil der rechte Arm mit dem Ansatz beschäftigt ist. Den Quintenzirkel und die Musiktheorie dahinter habe ich mir bis heute nicht wirklich angeschaut – bei den Bindungen selbst hilft mir das ohnehin nicht weiter.

Es fühlt sich ein bisschen an wie eine alte Handschrift wiederfinden, von der man dachte, man hätte sie verlernt. Man setzt an, es sieht erst krakelig aus, und irgendwann fließt der Strich wieder, ohne dass man bewusst nachdenkt, wie ein Buchstabe in den nächsten übergeht.

Wenn du selbst gerade anfängst und dich fragst, wann der richtige Moment für Bindungen ist: Der Moment ist jetzt, nicht erst, wenn der Einzelton perfekt sitzt. Übe die Übergänge parallel, nicht danach – der einzelne Ton wird dadurch von selbst sauberer, nicht umgekehrt. Mehr zu den leisen Tönen und der Kontrolle, die daraus entsteht, findest du im Artikel Wie ich durch leise Töne auf der Trompete mehr Kontrolle gewinne, und falls du neben der Trompete noch nach einem Rhythmusgefühl suchst, hilft manchmal auch ein Blick auf Cajon spielen lernen für Anfänger zur Verbesserung des Taktes beim Trompete üben – als Ergänzung, nicht als Ersatz.

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