Erste Trompete

Versilberte Trompete richtig reinigen und vor dem Anlaufen effektiv schützen

Versilberte Trompete richtig reinigen und vor dem Anlaufen effektiv schützen
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Es war einer dieser sonnigen Sonntagnachmittage im August – du weißt schon, wenn das Licht so schräg durch die Fenster in mein Gartenhaus fällt und alles ein bisschen golden aussieht. Ich wollte gerade die ersten Takte der Einführung aus Kind of Blue ansetzen, als mir fast das Herz stehen blieb. Mein Erbstück vom Nachbarn, diese wunderschöne versilberte Trompete, sah plötzlich gar nicht mehr nach Miles Davis aus. Überall am Schallbecher waren diese hässlichen, dunklen Flecken. Matt, fast rußig.

Ehrlich gesagt war mein erster Impuls: Panik. Als ehemalige Finanzbeamtin bin ich ja eigentlich für meine Ruhe bekannt, aber da dachte ich kurz, ich hätte das gute Stück durch die feuchte Luft hier am Münsterland-Rand ruiniert. Bevor ich dir erzähle, wie ich den Glanz gerettet habe, ein kleiner Hinweis: In meinen Texten stecken manchmal Links zu Kursen oder Zubehör. Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine Provision, aber für dich ändert sich am Preis gar nichts. Ich teile hier nur, was ich in meinem Gartenhaus-Alltag wirklich selbst teste und für gut befinde.

Der Schreckmoment: Wenn das Silber schwarz wird

Ich saß da mit meiner Trompete und habe mich gefragt, ob man mit zu viel Eifer die Versilberung einfach wegreiben kann. In meiner Blockflötenzeit in der Schule war Pflege ja nie ein Thema – das Ding kam in die Tasche und fertig. Aber so eine Trompete ist eine Diva. Besonders wenn sie eine hochwertige galvanische Versilberung mit einem Silbergehalt von 999 Feinsilber hat. Das glänzt herrlich, ist aber chemisch gesehen ziemlich empfindlich.

Ich dachte mir: Wenn ich schon wie ein Anfänger klinge, muss das Instrument wenigstens wie bei einem Profi funkeln. Aber diese schwarzen Flecken sind kein Dreck im herkömmlichen Sinne. Das ist eine chemische Reaktion. Das Silber reagiert mit dem Schwefelwasserstoff in der Luft zu Silbersulfid (Ag2S). Und hier im Gartenhaus, wo es morgens oft noch ein bisschen klamm ist, geht das alles viel schneller als im trockenen Wohnzimmer.

Nahaufnahme von schwarzen Silbersulfid-Flecken auf dem Schallbecher einer versilberten Trompete.

Die fast fatale Verwechslung mit dem Tafelsilber

Ich bin dann erst mal rein ins Haus und habe in der Küchenschublade gewühlt. Ich habe fast das scharfe Silberputzmittel für das Besteck aus der Küche benutzt, bevor mir einfiel, dass die Trompete keine Gabel ist. Gott sei Dank habe ich noch mal kurz innegehalten. Diese aggressiven Mittel oder gar Silbertauchbäder können die Lötstellen und die empfindlichen Korken an den Wasserklappen angreifen. Das wäre das Ende meiner kurzen Karriere gewesen, noch bevor ich die B-Dur-Tonleiter fehlerfrei hinkriege.

Stattdessen habe ich mich an die methodische Arbeitsweise aus meinen Bürotagen erinnert. Erst mal alles auseinanderbauen. Die 3 Perinet-Ventile vorsichtig raus – dabei immer schön aufpassen, dass man sie nicht vertauscht. Ich lege sie mir immer in der Reihenfolge 1, 2, 3 auf ein weiches Handtuch. Dann kam das große Bad im Spülbecken. Lauwarmes Wasser, ein winziger Tropfen milde Seife. Nichts Aggressives.

Die Reinigung: Ein Wellness-Tag für das Blech

Es hat fast etwas Meditatives, das Instrument im Wasser zu reinigen. Ich habe eine spezielle biegsame Bürste benutzt, um den ganzen „Schmodder“ aus den Zügen zu holen. Es ist erstaunlich (und ein bisschen eklig), was sich da nach ein paar Wochen täglichem Üben ansammelt. Speichel, Staub, altes Fett. Alles muss raus, damit die Luft wieder frei fließen kann. Das ist fast so wichtig wie das Üben selbst, damit man irgendwann mal einen Ton sauber hinbekommt.

Nach dem Bad habe ich die Trompete ganz vorsichtig mit einem weichen Baumwolltuch abgetrocknet. Aber der schwarze Belag, dieses hartnäckige Ag2S, war natürlich immer noch da. Wasser und Seife reichen da nicht. Hier kommt das Geheimnis: Ein spezielles Silberputztuch für Musikinstrumente. Das ist mit einer ganz feinen Politur imprägniert.

Beim Schreiben meines Wochenrückblicks vor zwei Wochen ist mir erst klar geworden, wie viel Zeit ich eigentlich mit der Pflege verbringe. Aber es lohnt sich. Das leise Quietschen des weichen Mikrofasertuchs auf dem kühlen Metall, bis das matte Schwarz dem hellen Glanz weicht – das hat fast etwas von einer Belohnung. Es ist wie das erste Mal Auto fahren nach der Waschstraße, alles fühlt sich besser an.

Hände beim vorsichtigen Polieren einer versilberten Trompete mit einem weichen Pflegetuch.

Der Schreckmoment bei den Ventilen

Als alles wieder blitzte, kam der Teil, vor dem ich am meisten Respekt hatte: der Zusammenbau. Ich habe die Ventilzüge mit speziellem Zugfett behandelt. Wenn man das vergisst, fressen sie sich irgendwann fest, und dann hilft nur noch der teure Gang zum Instrumentenbauer. Und dann die Ventile. Ein Tropfen Öl, vorsichtig einführen...

Und dann passierte es. Ein kurzer Schreckmoment in der Magengegend, als ich das erste Ventil wieder einsetze und es hakt. Es ging weder vor noch zurück. Ich dachte schon, ich hätte es verbogen. Aber ich musste nur kurz tief durchatmen – wie beim Üben der leisen Töne – und merkte, dass ich es einfach um 180 Grad drehen musste, damit die Führung einrastet. Puh. Einmal kurz Clifford Brown im Kopf gehört und weitergemacht.

Wenn du übrigens auch gerade erst anfängst und dich fragst, wie man diese ganze Theorie und Technik unter einen Hut bekommt, schau dir mal den Kurs von meineMusikschule Trompete an. Mir hilft diese Struktur ungemein, besonders wenn ich mal wieder vor lauter Putzen das Spielen vergesse. Es ist alles sehr kleinschrittig aufgebaut, was mir als „Spätzünderin“ mit 50 sehr entgegenkommt.

Besonderer Schutz in feuchten Umgebungen

Jetzt kommt der Punkt, den ich schmerzlich lernen musste: Das Münsterland ist nicht die Karibik, aber mein Gartenhaus kann verdammt feucht werden. Das ist fast so wie für Musiker, die in Küstennähe wohnen. Die salzhaltige oder einfach nur sehr feuchte Luft lässt Silber in Rekordzeit anlaufen. Da hilft normales Putzen nur kurz.

Ich habe zwei Dinge geändert, seit ich diesen Schock im August hatte:

Es ist ein bisschen wie bei der Steuererklärung: Vorsorge ist besser als Nachsicht. Seit ich diese kleinen Tipps beherzige, bleibt der Glanz viel länger erhalten. Und wenn ich dann abends im Gartenhaus sitze und versuche, durch leise Töne auf der Trompete mehr Kontrolle zu gewinnen, dann macht das in einem strahlenden Instrument einfach doppelt so viel Freude.

Drei Perinet-Ventile einer Trompete ordentlich aufgereiht auf einem Tuch zur Reinigung.

Ein sauberer Ton braucht ein sauberes Instrument

Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, aber ich finde, die Trompete spricht nach so einer Generalreinigung viel besser an. Der lange Atem, der bei mir ja oft noch nicht ganz reicht, scheint irgendwie effizienter durch die sauberen Rohre zu fließen. Es ist ein tolles Gefühl von Stolz, wenn ich heute mein Sonntags-Tagebuch schreibe: Die Trompete glänzt wieder und der erste saubere Ton heute Nachmittag fühlte sich in diesem sauberen Instrument einfach richtiger an.

Ich habe zwischendurch mal überlegt, ob ich doch lieber mit dem Cajon lernen ohne Noten angefangen hätte – da muss man wenigstens nichts polieren. Aber dann höre ich wieder diese alten Aufnahmen, diesen strahlenden, fast majestätischen Klang einer Trompete, der mich schon früher in der Kirche so fasziniert hat, und ich weiß: Das Blech ist es wert.

Falls du auch eine alte Kanne im Keller gefunden hast oder dir wie ich zum 50. einen Traum erfüllt hast: Hab keine Angst vor der Pflege. Es gehört dazu, genau wie das tägliche „Mundstück-Summen“. Und wenn du merkst, dass dir die Inspiration fehlt, schau dir mal die besten Jazz Trompeter für Anfänger an. Da sieht man erst mal, was auf diesem Instrument alles möglich ist – wenn es denn sauber ist!

So, jetzt ruft aber der Feierabend. Ich werde mir jetzt noch ein bisschen Musik anmachen und vielleicht noch fünf Minuten lang Bindungen üben. Wenn du auch gerade dabei bist, dein Instrument auf Vordermann zu bringen: Viel Erfolg beim Polieren! Es lohnt sich, wenn am Ende nicht nur das Instrument, sondern auch der Ton strahlt. Bis nächsten Sonntag!

Deine (jetzt wieder glänzende) Trompeten-Schwestern-Grüße aus dem Münsterland!

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