Erste Trompete

Vom Gartenhaus in den Posaunenchor: Mein Traum vom gemeinsamen Trompete spielen

Trompete lernen mit 50: Ingrid übt fürs Ziel Posaunenchor im Münsterland

Ich halte das hohe G, zähle im Kopf bis vier, und der Ton läuft sauber aus – kein Zittern am Ende, kein Nachgeben in den Lippen. Für eine Anfängerin, die das Trompete lernen erst mit fünfzig angefangen hat, ist das ein Meilenstein, über den ich lange nicht geredet hätte. Es ist auch der Punkt, an dem klar wird: Für mich allein im Gartenhaus zu üben, reicht mir nicht mehr. Ich will wissen, was noch fehlt, bevor ich mich bei einem Posaunenchor hier im Münsterland überhaupt zeige.

Kurz vorweg, weil es dazugehört: In diesem Text stecken ein paar Affiliate-Links. Kaufst du darüber einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert. Ich schreibe nur über das, was ich selbst ausprobiert oder genutzt habe – mehr dazu in meiner Offenlegung.

Bevor ich weiterübe wie bisher, sortiere ich für mich, was eigentlich schon reif genug für eine Chorprobe ist und was noch wackelt. Diese Liste ist nicht wissenschaftlich, sie ist einfach ehrlich – zusammengetragen aus einem Jahr, in dem ich mehr falsche Töne produziert habe, als ich zählen mag.

Ansatz, Ventile und die Basis, die zuerst sitzen muss

Der Ansatz steht ganz oben auf der Liste. Ohne einen halbwegs stabilen Ansatz kippt jeder zweite Ton, und in einer Probe mit zwanzig anderen wartet niemand auf eine einzelne Anfängerin. Wie ich die Trompete halte und wie ich stehe, wirkt sich mehr aus, als ich am Anfang gedacht hätte – schon eine hängende Schulter reicht, damit der Ton dünner wird. Beim Mundstück habe ich das mitgelieferte Modell benutzt, ohne zu ahnen, dass die Größe des Kessels überhaupt etwas verändert. Geübt wird bei mir unregelmäßig, mal ein kurzer Griff zwischendurch, mal eine längere Einheit am Abend, und beides zählt gleich viel. Vor jeder Einheit steht ein kurzes Einspielen, sonst klingt der erste Ton, als hätte die Trompete über Nacht alles vergessen. Und die Ventile pflege ich, seit mir mitten in einer Übung das zweite Ventil hängen geblieben ist – seitdem liegt das Öl immer griffbereit, bevor ich überhaupt anfange.

Damit das alles nicht zum wilden Herumprobieren wird, arbeite ich mit einem festen Ablauf – bei mir ist das der Kurs von meineMusikschule Trompete, Modul für Modul, ohne dass ich mir jeden Schritt selbst zusammensuchen muss. Das nimmt mir die Entscheidung ab, was als Nächstes dran ist, gerade an Tagen, an denen ich sowieso schon zu müde zum Nachdenken bin.

Ventilpflege bei der Trompete: die drei Ventile kurz vor dem Ölen

Wie merke ich, dass Fingersätze und Stimmung wirklich sitzen?

Die Grifftabelle habe ich am Anfang nur auswendig heruntergebetet, ohne zu verstehen, warum welche Kombination welchen Ton ergibt. Das genügt für die eigenen vier Wände, aber nicht für eine Gruppe, die im selben Tempo weiterspielt, egal ob man gerade sucht oder nicht. Auch das Stimmen über den Stimmzug ist bei mir eher Glückssache – ich ziehe und schiebe, bis es sich richtig anfühlt, statt wirklich zu hören, was passiert. Buzzing ohne Trompete, nur mit dem Mundstück, mache ich inzwischen kurz nebenbei, weil sich danach die hohen Töne leichter einordnen lassen. Das hohe G von eben ist genau so ein Ton, der ohne dieses kurze Buzzing eher kippt als stehen bleibt.

Gundula fragt so genau nach, bevor sie anfängt

Gundula, eine Leserin aus Dortmund, schreibt mir öfter kurze Mails, seit sie über die Suche nach dem Thema Trompete lernen bei mir gelandet ist. Sie überlegt noch zwischen Trompete und Cajon, und sie kauft nichts, ohne genau zu verstehen, warum. Neulich wollte sie wissen, ob man Noten lesen können muss, bevor man überhaupt ein Instrument anfasst – meine Antwort war nein, aber ohne geht es auf Dauer trotzdem nicht, sobald man mit anderen zusammenspielen will. Sie fragte auch nach dem Metronom, und ich musste zugeben, dass mein Taktgefühl am Anfang furchtbar schwammig war, bis ich anfing, wirklich danach zu üben statt nur ungefähr im Takt zu bleiben. Gehörbildung, also Melodien nach Gehör nachspielen, ist bei mir eher ein Nebenprodukt als ein Plan gewesen. Und die Musiktheorie mit dem Quintenzirkel dahinter habe ich lange als etwas für echte Musiker abgetan, bis ich gemerkt habe, dass es einfach eine Landkarte ist, die man auch mit fünfzig noch lesen lernen kann.

Notenblätter mit handschriftlichen Anmerkungen für den Posaunenchor

Klingend in C: Die Eigenheiten eines Posaunenchors

Am Aasee bin ich einmal an einem Posaunenchor vorbeigekommen, der gerade draußen probte, und dieser warme, volle Blechklang hat mich sofort an die Sonntage in der Kirche früher erinnert. Seitdem weiß ich, wohin ich mit der Trompete eigentlich will – nicht nur ins Gartenhaus, sondern in genau so einen Klangkörper hinein. Eine Besonderheit kam dabei ans Licht: Viele dieser Chöre spielen nach der sogenannten Kuhlo-Schreibweise, also klingend in C, das heißt, ich muss beim Umsteigen noch einmal umdenken, obwohl ich die normalen Trompetennoten gerade erst einigermaßen sicher lese. Für den nächsten Winter nehme ich mir vor zu sehen, wie man mit einem Online-Kurs lernt, Kirchenlieder auf der Trompete zu spielen – genau das Repertoire, das ein Posaunenchor am meisten braucht.

Weite Landschaft im Münsterland bei Sonnenuntergang, Kulisse für die Übungszeit mit der Trompete

Der Atem, der fehlt, und die Struktur, die hilft

Puste ist ein eigenes Kapitel, das anderswo ausführlicher behandelt wird als hier, aber ein Geständnis gehört trotzdem dazu: Ich habe versucht, die Atemübungen aus einem früheren Tai-Chi-Kurs eins zu eins auf die Trompete zu übertragen, und das hat nicht funktioniert – das lange, gleichmäßige Ausatmen aus dem Kurs ist etwas völlig anderes als der Druck, den ein gehaltener Ton braucht. Was mir dagegen wirklich hilft, ist Struktur, und zwar möglichst klare, nachvollziehbare Struktur. Ich habe mir aufgeschrieben, warum mir Struktur und Logik beim Üben der Ventile so sehr entgegenkommen – es nimmt der ganzen Sache die Beliebigkeit. Norbert, ein ehemaliger Kollege aus meinen Finanzamt-Jahren, hätte dafür Verständnis. Jazz-Improvisation ohne feste Regeln macht ihn sofort misstrauisch – bei einem Posaunenchor mit festen Noten wäre ihm dagegen wohler.

Falls bei dir eher der Rhythmus zieht als der Blechklang: Ich hatte selbst kurz mit Schlagzeug geliebäugelt, weil die Tochter damals eins wollte, und auch ein Cajon stand zur Debatte, weil es leiser ist. Für die Wohnzimmer-Variante mit wenig Platz und Nachbarn nebenan wäre der Cajon-Kurs von Martin vermutlich die praktischere Wahl gewesen. Bei mir musste es am Ende trotzdem das Blech sein.

Bereit für die erste Probe oder noch nicht

Ob ich schon bereit bin, weiß ich nicht hundertprozentig, aber ich habe für mich einen Maßstab gefunden, der mir hilft: Wenn ein Ton wie das hohe G von eben sauber steht, wenn die Ventile flüssig laufen und wenn ich eine kurze Melodie nach Gehör grob hinbekomme, dann reicht das für eine erste Probe zum Zuhören – nicht für die erste Reihe, aber für einen Platz ganz hinten, wo man mitsummen kann, ohne aufzufallen. Genau mit dieser Messlatte will ich mich demnächst bei einem Chor hier in der Nähe vorstellen, erst mal nur um zuzuhören. Gegen die Nervosität davor helfen mir übrigens die Tipps gegen Lampenfieber für Anfänger über 50, die ich mir vor einiger Zeit rausgeschrieben habe.

Wer mit fünfzig neu anfängt, muss sich nicht an den Maßstäben von Musikschülern messen, die seit der Grundschule spielen. Wichtig ist nur, ehrlich zu prüfen, was schon trägt und was noch geübt werden muss, bevor man sich zwischen erfahrene Bläser setzt. Genau diese Liste – Ansatz, Ventile, Gehör, Struktur – ist bei mir der Unterschied zwischen einem Gartenhaus-Hobby für mich allein und dem Traum, irgendwann in einem Posaunenchor mitzuspielen.

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