Erste Trompete

Noten lesen lernen für die Trompete als Anfängerin ohne Vorkenntnisse

Noten lesen lernen für die Trompete – Notenlinien und Ventile für Anfängerinnen ohne Vorkenntnisse verstehen

Ein Paragraph im Steuerrecht bedeutet genau eine Sache. Eine Note auf einem Notenblatt schien mir am Anfang gleich mehrere Bedeutungen gleichzeitig zu haben. Deshalb schreiben mir immer wieder Leute, die auch Trompete lernen wollen und beim Noten lesen genau an der Stelle hängen bleiben, an der ich selbst am längsten gebraucht habe: der Musiktheorie.

Das Notensystem mit seinen fünf Linien fand ich zu Beginn so fremd wie ein Formular, das ich noch nie ausgefüllt hatte. Bevor ich überhaupt bei der Trompete gelandet bin, hätte fast ein Schlagzeug genauso gut gepasst; der Klang der Trompete in der Kirche hat mich am Ende doch überzeugt.

Hier in meinem kleinen Münsterland-Tagebuch beantworte ich heute keine einzelne Tagebuchgeschichte, sondern die Fragen, die am häufigsten in meinem Postfach landen.

Nach einem Jahr mit der Trompete weiß ich inzwischen ziemlich genau, wo die Verwirrung meistens anfängt und wo sie meistens wieder aufhört.

Notenlesen ist nicht zwingend erforderlich

Nein, nicht zwingend. Es gibt Trompeterinnen, die nur nach Gehör spielen und nie ein Blatt Papier anfassen. Unsere Stimme wird ohnehin fast immer im Violinschlüssel notiert, was die Sache zumindest nicht komplizierter macht, als sie sein muss. Aber wer wie ich vorher im Finanzamt mit klaren Paragraphen gearbeitet hat, kommt über ein festes System meistens schneller zu einem sauberen Ton als über reines Rumprobieren. Mein Rat: Wer schon mal ein Instrument nach Gehör gelernt hat, kann getrost ohne Noten anfangen. Wer dagegen Struktur braucht, sollte von der ersten Stunde an parallel Noten lesen üben. Das nimmt den Druck raus, weil man nicht ständig raten muss, was als Nächstes kommt.

Der Trick mit der B-Stimmung

Die Standard-Anfängertrompete ist eine B-Trompete. Alle Noten klingen dadurch einen Ganzton tiefer, als sie notiert sind, ein transponierendes Instrument eben. Wer sich Noten aus dem Internet herunterlädt, muss deshalb auf die richtige Transposition achten: Nicht jede Seite ist schon für B-Instrumente umgeschrieben, und ein geschriebenes C wird bei mir zu einem klingenden B.

Bevor ich ein Stück herunterlade, schaue ich deshalb zuerst nach, ob dort „für B-Trompete" oder „in C" steht. Das erspart mir hinterher stundenlanges Umdenken am Notenständer. Wer mehr über einen strukturierten Einstieg wissen möchte, findet in meinen Erfahrungen mit dem meineMusikschule Trompete Kurs für Anfänger eine ausführlichere Beschreibung, wie so ein Aufbau aussehen kann.

Drei Ventile, unzählige Kombinationen

Die Trompete hat drei Ventile: Das erste senkt den Ton um zwei Halbtöne, also einen Ganzton, das zweite um einen Halbton und das dritte um drei Halbtöne. Aus den Kombinationen dieser drei Ventile ergeben sich alle Töne der chromatischen Tonleiter, die ich später auf dem Blatt wiederfinde.

Für mich war genau das der eigentliche Kniff hinter den Noten: Eine Note auf einer Linie sagt mir nicht nur, welcher Ton gemeint ist, sondern auch, welche Ventile ich runterdrücken muss, ähnlich wie ich bei einer Phrase aus „So What" von Miles Davis inzwischen höre, welche Note als Nächstes kommt, noch bevor ich sie gelesen habe. Mein Tipp für den Anfang: nicht den Notennamen im Kopf aussprechen, sondern gleich den Griff dazu denken. Das spart einen ganzen Übersetzungsschritt.

Griffe merken oder Linien zählen

Am Anfang habe ich stundenlang vor dem Badezimmerspiegel nur mit den Lippen geübt, ganz ohne Mundstück, in der Hoffnung, dass sich das Notenlesen dabei irgendwie von selbst mitentwickelt. Hat es nicht. Die beiden Dinge haben schlicht nichts miteinander zu tun.

Was wirklich geholfen hat, war ein einzelner Moment im Gartenhaus, in dem ich einen langen Ton gehalten habe und am Ende kein Zischen mehr zu hören war, nur noch der Ton selbst und ich merkte, dass meine Augen dabei längst bei der nächsten Note waren, nicht mehr bei meinen Fingern.

Es ist ein bisschen wie Radfahren auf der Promenade rund um die Münsteraner Altstadt: Am Anfang zählst du jede Kurve und jeden Poller, irgendwann fährst du einfach, ohne nachzudenken.

Mein Kriterium, ob es klappt: Sobald ich beim Spielen nicht mehr über die einzelne Note nachdenke, sondern schon die übernächste im Blick habe, lese ich wirklich und buchstabiere nicht mehr nur.

Was diese Antwort nicht klärt

Der Ansatz selbst, dieses ständige Formen der Lippen am Mundstück, ist eine eigene Baustelle, die hier nicht hingehört. Genauso wenig die Atemtechnik, die einen langen Ton am Ende einer Phrase überhaupt erst trägt. Auch das Einspielen vor dem eigentlichen Üben verdient einen eigenen Text, ebenso wie die Frage, welches Mundstück für den Anfang überhaupt taugt. Wie oft man üben sollte, lasse ich hier bewusst offen. Das hängt von zu vielen Dingen ab, die mit Notenlesen nichts zu tun haben. Und dass klemmende Ventile eine eigene Pflege brauchen, gehört ebenfalls nicht in diesen Text.

Gundulas liebste Frage

Gundula, eine Leserin, die selbst noch überlegt, ob sie mit der Trompete anfangen soll, schrieb mir vor Kurzem sieben Fragen in einer einzigen Mail, typisch für sie: Sie fängt mit nichts an, ohne genau zu verstehen, warum es funktioniert. Ihre wichtigste Frage war schlicht: Woher weiß ich, ob eine Note stimmt, bevor ich sie überhaupt spiele? Ganz sicher weiß man das nie, aber man kann es eingrenzen. Sitzt die Note auf einer Linie, die ich schon kenne, singe ich sie vorher leise. Trifft meine Stimme den Ton ungefähr, stimmt meistens auch der Griff.

Norbert, mein alter Kollege aus dem Finanzamt, findet das bis heute verdächtig. Er traut grundsätzlich nichts, das keine klaren Regeln hat, und hält selbst freie Jazz-Improvisation für halbe Hochstapelei. Ich habe ihm erklärt, dass genau das mein Weg war: erst die Regeln lernen, dann irgendwann den Mut finden, sie zu verlassen, ungefähr so, wie ich es in Jazz auf der Trompete lernen beschrieben habe.

Ein Notenblatt ist irgendwann kein Rätsel mehr

Ein Blatt mit schwarzen Punkten hört irgendwann auf, eine Geheimsprache zu sein, und wird zu etwas, das man einfach liest, so wie eine Steuererklärung irgendwann auch nur noch Routine war. Der Unterschied ist bloß: Am Ende der Steuererklärung stand eine Zahl. Am Ende eines Notenblatts steht, wenn es gut läuft, ein Ton, der einfach stimmt.

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