Woche 14, Sonntagabend, Gartenhaus, dritter Anlauf bei "So What" – und das cis' kippt mir zum vierten Mal weg, mal zu hoch, mal wie ein Fahrradreifen der die Luft verliert. Irgendwann hab ich das Notenblatt hingelegt und mir stattdessen aufgeschrieben, welcher Ventilgriff eigentlich wofür da ist, weil ich es mitten im Stück selbst nicht mehr auseinanderhielt. Aus diesem Zettel ist diese Seite geworden – meine eigene Spickzettel-Tabelle für Ventile, Griffe und die Töne, die einfach nicht sauber sitzen wollen, so sortiert, wie ich sie beim Üben gebraucht hätte.
Funktionsweise der Ventile
Am Anfang dachte ich, Ventile drücken sei eher Zufall – irgendwas drücken und hoffen. Ist es nicht. Jedes Ventil verlängert das Rohr um ein festes Stück und macht den Ton dadurch tiefer, in ganz bestimmten Halbtonschritten. Bedient werden sie von Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger der rechten Hand (Wikipedia) – bei mir will vor allem der Ringfinger bis heute nicht so richtig mitspielen, nach fünfzig Jahren Kontoauszüge sortieren ist der eher steif als flink.
Genau diese Halbtonschritte hab ich mir damals sauber aufgeschrieben – die Zahlen stimmen exakt mit dem überein, was auch bei Musikzeit nachzulesen ist:
| Ventil / Kombination | Intervall-Senkung | Halbtonschritte |
|---|---|---|
| Ventil 2 | Kleiner Sekundschritt | -1 Halbton |
| Ventil 1 | Großer Sekundschritt | -2 Halbtöne |
| Ventil 3 (oder 1+2) | Kleiner Terzschritt | -3 Halbtöne |
| Ventil 2+3 | Großer Terzschritt | -4 Halbtöne |
| Ventil 1+3 | Reine Quarte | -5 Halbtöne |
| Ventil 1+2+3 | Übermäßige Quarte (Tritonus) | -6 Halbtöne |
Chromatische Grifftabelle (Standardbereich)
Die Tabelle hier ist die, die ich mir in Woche 6 ausgedruckt und ans Notenpult im Gartenhaus geklebt habe – die Klebestreifen sind mittlerweile grau vom Fingerfett. 1, 2 und 3 sind die Ventile, von vorne nach hinten gezählt, 0 heißt: nichts drücken, einfach pusten und hoffen, dass der richtige Naturton kommt. Nach der Regel aus der ersten Tabelle lässt sich jeder Griff im Grunde selbst herleiten, tiefster Standardton ist das fis/ges (Musikzeit) – trotzdem hab ich lieber die komplette Liste vor mir, weil ich beim Herleiten mitten im Stück in Sekundenbruchteilen zuverlässig verrutsche. Ehrlich gesagt ist das wie Autofahren nach zwanzig Jahren Pause: Die Regeln sind noch alle da, aber die Finger brauchen eine Gedächtnisstütze, bis sie es wieder von allein können.
| Note (notiert) | Ventilkombination | Bemerkung |
|---|---|---|
| fis / ges | 1 - 2 - 3 | Tiefster Standardton; sehr zu hoch (Trigger erforderlich) |
| g | 1 - 3 | Oft zu hoch (Trigger erforderlich) |
| gis / as | 2 - 3 | - |
| a | 1 - 2 | Alternativgriff: 3 (oft etwas tiefer) |
| ais / b | 1 | - |
| h | 2 | - |
| c' | 0 | Naturton (offen) |
| cis' / des' | 1 - 2 - 3 | Sehr zu hoch (Trigger erforderlich) |
| d' | 1 - 3 | Zu hoch (Trigger erforderlich) |
| dis' / es' | 2 - 3 | - |
| e' | 1 - 2 | Alternativgriff: 3 |
| f' | 1 | - |
| fis' / ges' | 2 | - |
| g' | 0 | Naturton (offen) |
| gis' / as' | 2 - 3 | - |
| a' | 1 - 2 | - |
| ais' / b' | 1 | - |
| h' | 2 | - |
| c'' | 0 | Naturton (offen) |
Warum manche Töne zu hoch klingen: Bei mehreren gedrückten Ventilen wird das Rohr rechnerisch nie ganz lang genug – vor allem die mit 1-3 (g, d') und 1-2-3 (fis/ges, cis') gegriffenen Töne liegen systematisch zu hoch. Dafür gibt es den Trigger am dritten Ventil.
Intonationsbesonderheiten und Korrektur
Der Frust kam bei mir in Woche 9: Manche Töne klingen einfach zu hoch, egal wie entspannt ich ansetze, und ich dachte erst, das läge nur an mir. Liegt's aber nicht nur dran – wenn man mehrere Ventile gleichzeitig drückt, wird das Rohr rein rechnerisch nie ganz lang genug für einen sauber gestimmten Ton, die Kombination klingt dadurch tendenziell zu hoch (hsutrumpets.com).
- Kombination 1-3 und 1-2-3
- Genau die Töne, bei denen ich anfangs dachte, ich hätte einen schlechten Ansatz-Tag: Laut der Trompetenklasse der Hardin-Simmons University sind es exakt die mit 1-3 (bei uns g und d') und 1-2-3 (fis/ges und cis'/des') gegriffenen Töne, die systematisch zu hoch liegen. Deshalb haben die meisten modernen Trompeten einen beweglichen Zug am dritten Ventil, den Trigger, den man während des Spielens mit dem Ringfinger nach außen drückt, um das Rohr ein Stück zu verlängern.
- Kombination 1-2 vs. 3
- 1+2 zusammen und das einzelne 3. Ventil senken den Ton theoretisch um denselben Betrag – "1 und 2 macht 3", wie es in der Trompetenwelt heißt (hsutrumpets.com). Deshalb wird bei Tönen wie dem a oder dem hohen e' gern auf den Alternativgriff 3 ausgewichen, wenn der Standardgriff sich unrund anfühlt oder die Finger nicht hinterherkommen – bei mir meistens Letzteres.
- Naturtonreihe
- Töne, die "offen" (Griff 0) gespielt werden, folgen der Naturtonreihe, und die sind nicht alle gleich sauber. Laut einer Übersicht der Trompetenklasse der University of Tennessee at Chattanooga liegt das notierte e'' auf vielen Instrumenten rund 14 Cent zu tief, das b'' sogar rund 31 Cent – so tief, dass es fast nirgends offen gespielt wird, sondern so gut wie überall mit dem 1. Ventil (UTC Trumpet Studio).
Falls dir beim Nachspielen ein Ton genauso wegkippt wie mir das cis' in Woche 14 – du bist nicht die Einzige, das Rohr ist einfach manchmal stur.
Zuletzt geprüft: 2026-07-15