
Der Mund formt schon die Haltung fürs Mundstück, obwohl die Trompete noch im Futteral liegt. Das passiert mir mittlerweile beim Frühstück, mitten im ersten Schluck Kaffee, ganz von selbst. Trompete lernen mit fünfzig verändert offenbar nicht nur die Finger und die Lunge, sondern auch unbewusste Reflexe im Gesicht.
Kurz vorweg, meine Liebe: Manche Links in diesem Text führen zu einem Kurs, den ich selbst nutze, und wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine kleine Provision – am Preis für dich ändert das nichts. Mehr dazu steht oben in der Offenlegung.
Zwei Wege führen zum ersten sauberen Lied, und ich bin durch Zufall beide gegangen: einmal übers Ohr, einmal über die Note. Das hier wird für einmal kein Anfänger-Tagebuch mit Wochenzählung, sondern ein direkter Vergleich zweier Wege. Wer wie ich sein Leben lang nur zugehört hat – bei mir waren es Miles Davis und Clifford Brown, dazu die Trompetenklänge aus Kirchen im Münsterland meiner Kindheit – tendiert zuerst zum Nachsingen. Wer aus einem Amt wie dem Finanzamt kommt und Struktur gewohnt ist, sucht instinktiv die Note auf dem Blatt.
Gehör oder Noten: zwei Startpunkte fürs erste Lied
Bei der Trompete entsteht der Ton bekanntlich auf den Lippen und nicht im Rohr, weshalb der Ansatz die eigentliche Hürde ist, nicht die Klappen. Wie sich dieser Ansatz sauber und ohne Schmerzen aufbauen lässt, beschreibe ich ausführlich in einem eigenen Beitrag zum Trompete Ansatz trainieren – hier reicht dieser eine Hinweis, mehr dazu gehört woanders hin.
Nach Gehör bedeutet: die Melodie schon im Kopf haben und sie Ton für Ton auf dem Instrument suchen, bis sie stimmt. Diesen Weg gehe ich oft auf meinen Runden durch den Schlosspark der Uni Münster, wo ich die Melodien leise vor mich hin summe, lange bevor ich sie überhaupt ans Mundstück lasse. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man braucht keine einzige Note lesen zu können, um anzufangen.
Die Notenvariante bedeutet dagegen: dem gedruckten Blatt vertrauen, auch wenn das Ohr noch keine Ahnung hat, wie das Ergebnis klingen soll. Gundula Preiß, eine Leserin aus Dortmund, hat mir beide Varianten ausprobiert und mir danach kurz geschrieben, was bei ihr wie gelaufen ist – typisch für sie, sie meldet sich nach jedem Versuch zurück. Bei ihr hat die Notenvariante länger gedauert, aber am Ende sicherer zum Ergebnis geführt.
Online-Musikschule statt Rätselraten am Notenständer
Allein am Notenständer zu sitzen und zu raten, welches Zeichen welchen Ton bedeutet, kostet Zeit, die man sich sparen kann. Genau deshalb nutze ich für die Notenseite den Kurs von meineMusikschule Trompete, der Schritt für Schritt erklärt, wie ein Notenbild in eine Fingerkombination übersetzt wird, bevor überhaupt ein ganzes Lied verlangt wird.
Welches Mundstück dabei am besten passt, ist noch einmal ein eigenes Thema, das ich an anderer Stelle behandle und hier nur der Vollständigkeit halber erwähne. Genauso die Frage, wie oft man pro Woche wirklich üben sollte, damit der Fortschritt hält – auch das gehört in einen eigenen Text, nicht in diesen Vergleich.
Anfängerlieder im Vergleich
Hänschen Klein braucht nur fünf Töne und kleine Sprünge, weshalb es sich fast von selbst nach Gehör erschließt, sobald man die Melodie im Kopf hat. Alle meine Entchen läuft dagegen die C-Dur-Tonleiter hinauf und eignet sich deshalb besser für die Notenvariante, weil man dort lernt, eine Tonfolge nicht zu erraten, sondern abzulesen. Morgen kommt der Weihnachtsmann verlangt außerdem mehr Atem pro Zeile, was beide Lager gleichermaßen fordert.
Wie viel Atem wirklich hinter so einer Zeile steckt und wie man ihn trainiert, gehört ebenfalls zu einem anderen Beitrag von mir – hier nur so viel: Es ist mehr, als man vor dem ersten Versuch denkt. Auch das Einspielen vor dem eigentlichen Üben behandle ich an anderer Stelle ausführlich, hier bleibt nur die Feststellung, dass ein kalter Ansatz selten sauber klingt. Ein Tai-Chi-Kurs, den ich parallel besucht habe, sollte mir angeblich beim Atem helfen, also habe ich die dortigen Atemübungen einfach auf die Trompete übertragen. Genutzt hat es nichts – die ruhige Bauchatmung aus dem Kurs und der gezielte Druck, den eine Tonleiter auf dem Blech braucht, sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Ein Detail, das beide Wege gleichermaßen betrifft, sind die Ventile – klemmen sie, hilft weder das beste Gehör noch die genaueste Note, dazu habe ich separat geschrieben und lasse es hier bei der Erwähnung. Wer sich wie ich eine gebrauchte Trompete zulegt, kommt an einer gründlichen ersten Reinigung ohnehin nicht vorbei, weshalb ich extra aufgeschrieben habe, wie man eine gebrauchte Trompete reinigen kann, bevor der Vergleich der beiden Lernwege überhaupt losgeht.
Die leise Alternative nebenan
Zur Lautstärke kurz so viel, weil sie beide Wege gleichermaßen betrifft: Eine Trompete lässt sich nicht leise üben, egal ob man nach Gehör oder nach Note vorgeht. Wer deswegen zögert, findet in einem Cajon eine leise Alternative, und der martin0852 Cajon-Kurs bietet dafür reichlich Videomaterial, falls der Rhythmus wichtiger ist als die Melodie. Bei mir hat am Ende das Blech gewonnen, aber beide Optionen habe ich bewusst gegeneinander abgewogen, bevor die Entscheidung feststand.
Am Ende zählt, was im Ohr hängen bleibt
Norbert Buschfeld, ein ehemaliger Kollege aus dem Finanzamt, ruft manchmal sonntags an und fragt, wie es so läuft – mehr aus alter Gewohnheit als aus echtem Interesse an Musik. Ihm ist es egal, ob ich mir das Lied vom Blatt erarbeitet oder einfach nachgesungen habe, solange es nach etwas klingt. Und genau darin liegt vielleicht die ehrlichste Antwort auf die Frage, welcher Weg der richtige ist: von außen hört man den Unterschied selten.
Wann sich der Wechsel lohnt
Der Gehör-Weg lohnt sich, wenn ein Lied schon vertraut ist und die Motivation vom schnellen ersten Erfolg lebt. Der Noten-Weg lohnt sich, sobald ein Stück gespielt werden soll, das man noch nie gehört hat, weil dort das Raten aufhört zu funktionieren. Für mich heißt das inzwischen: bekannte Melodien im Schlosspark im Kopf durchgehen, unbekannte am Notenständer im Gartenhaus erarbeiten – und wer eine verlässliche Struktur für genau diesen zweiten Teil sucht, findet sie bei meineMusikschule.