Erste Trompete

Gehörbildung für Trompete Anfänger: Melodien ohne Noten nach Gehör spielen

Gehörbildung Trompete Anfänger: Melodien nach Gehör spielen im Münsterland-Tagebuch, Trompete lernen mit 50

Ein Ton sitzt ganz klar im Kopf, aber sobald er aus dem Trichter kommt, ist er völlig anders. Diese Erkenntnis lässt mich seit Woche 12 nicht mehr los, seit ich angefangen habe, den Notenständer öfter leer zu lassen als voll. Für mein Trompete-lernen bedeutet das: Mein Gehör muss plötzlich die Arbeit übernehmen, die vorher meine Augen erledigt haben. Gehörbildung nennt man das wohl offiziell, und für dieses Münsterland-Tagebuch ist es gerade das ungemütlichste Thema, weil ich hier nicht so tun kann, als hätte ich schon alles im Griff.

Blockflöte war mein einziges Instrument vor dem fünfzigsten Geburtstag, und danach hielt ich mich jahrzehntelang für unmusikalisch. Miles Davis lief bei mir trotzdem in Dauerschleife, 'So What' vor allem, diese schwebende Eröffnung, die viele kennen, ohne den Titel zu wissen. Höre ich das heute, singt in mir sofort mit, was völlig klar ist – nur meine Lippen und die drei Ventile brauchen noch eine Weile, bis sie das nachvollziehen können.

Neulich, an einem eisigen Morgen, hat mich das kalte Messing des Mundstücks an den Lippen regelrecht wachgerüttelt, noch bevor der erste Ton kam.

Gehörbildung heißt für mich: dem Ohr wieder vertrauen

Vorletzten Samstag bin ich durchs Mühlenhof-Freilichtmuseum spaziert, mehr um den Kopf freizubekommen als um zu üben. Am Teich stand eine frühere Kollegin, die mir erzählte, sie habe gerade einen Töpferkurs an der VHS Münster angefangen – mit über fünfzig fange man eben nochmal bei null an, meinte sie, egal womit. Das blieb hängen. Den ganzen Rückweg über habe ich überlegt, wie viele von uns mit fünfzig plötzlich wieder Anfänger sein wollen, und dass Musik im Alter offenbar keine Seltenheit ist, auch wenn kaum jemand offen darüber spricht.

Zurück im Gartenhaus stand die eigentliche Frage wieder im Raum: Warum ist Spielen nach Noten so viel leichter als Spielen nach Gehör? Mit einem Blatt vor mir ist jeder Ton eine feste Anweisung, Ventil eins und drei, fertig. Ohne Blatt ist jeder Ton eine Vermutung, die das Ohr erst prüfen und die Finger dann bestätigen müssen. Das Mundstück-Buzzing für Trompete hilft mir dabei, den Ton schon vor dem Ansetzen im Kopf zu haben, auch wenn das im Detail ein eigenes Kapitel für sich ist. Mein Ansatz meldet sich dabei nach ein paar Minuten mit einem leichten Ziehen in der Lippe, aber auch das gehört auf ein anderes Blatt.

Nahaufnahme der drei Ventile einer Trompete – Gehörbildung und Trompete lernen als Anfängerin im Münsterland

Ein altes Notenheft, das mir nicht geholfen hat

Letzten Donnerstag habe ich ein altes Notenheft aus dem Schulunterricht meiner Tochter aufgeschlagen, in der Hoffnung, dass mir vertraute Melodien beim Hören-Lernen helfen würden. Es war mehr Verzweiflung als Plan – ich dachte, wenn ich Lieder vor mir sehe, die ich schon kenne, zieht das Ohr automatisch mit.

Genau das Gegenteil ist passiert. Ich habe die Notenzeilen abgelesen wie früher am Amt eine Akte, Ton für Ton, ohne dass mein Ohr überhaupt gefragt wurde. Nach zehn Minuten habe ich das Heft zugeklappt und in die Ecke gelegt, weil es mich genau zurück in die Gewohnheit gezogen hat, die ich eigentlich loswerden wollte. Der lange Atem, den man für so eine Übungsrunde trotzdem braucht, ist übrigens auch eine eigene Geschichte, die ich hier nicht aufrolle.

Wenn das hohe G kippt

Am Sonntag davor wollte ich unbedingt das hohe G aus der Einleitung von 'Kind of Blue' treffen, ganz ohne Blatt. Ich hatte die Melodie im Kopf, habe sie sogar leise gesummt, angesetzt – und herausgekommen ist ein Kiekser, der eher an eine klemmende Gartentür erinnerte als an Jazz. Sobald ich versuche, einen Ton zu erzwingen, den ich nicht wirklich innerlich gehört habe, wird mein Ansatz fest und presst, statt zu schwingen.

Nach so einem Abend gehe ich meist wieder ganz zurück auf null und übe die B-Dur-Tonleiter, die bei mir klingt wie ein C-Dur auf dem Klavier. Es hilft, die erste Tonleiter auf der Trompete sauber zu spielen, bevor man sich wieder an Sprünge wie das hohe G wagt. Die drei Ventile klemmen inzwischen kaum noch, seit ich sie öfter ölen lasse, aber wie man das richtig macht, ist wieder ein eigenes Thema. Welche Ventilkombination zu welchem Ton gehört, sitzt bei mir inzwischen sicherer als in den ersten Wochen, auch wenn ich da noch lange nicht am Ende bin. Und wie man sich vor so einer Session überhaupt richtig einspielt, erzähle ich dir lieber an einem anderen Sonntag – heute reicht die Erkenntnis, dass ich es an diesem Abend nicht getan habe, und dass sich das gerächt hat.

Trompetenmundstück und Ventilöl neben einem Übungstagebuch – Musik im Alter und Gehörbildung für Trompete Anfänger

Den Rhythmus zuerst hören lernen

Was ich lange unterschätzt habe: Gehörbildung ist nicht nur Tonhöhe, sondern genauso Rhythmus. Sobald ich mich auf die Suche nach dem nächsten Ton konzentriere, verliere ich oft den Takt komplett. Es hilft ungemein, richtig mit dem Metronom Trompete zu üben, weil das Ticken mir die Sicherheit gibt, mich ganz auf die Tonfindung zu konzentrieren. Ohne dieses Gerüst schwimme ich weg, besonders bei etwas so frei Klingendem wie der Einführung aus 'Kind of Blue' – dahinter steckt trotzdem ein eisernes Zeitgefühl, das man erst hören lernen muss.

Meine Schwester hat mich letzte Woche mitten im Üben angerufen, und als sie im Hintergrund hörte, was ich gerade probiert habe, fragte sie doch tatsächlich, ob bei mir das Radio läuft. Ich habe fast das Mundstück fallen lassen vor Lachen. Für einen Moment war ich richtiggehend stolz – auch wenn ich zugeben musste, dass es fünf Minuten vorher noch ganz anders geklungen hat.

Was bleibt von Woche 12?

Gehörbildung ist für mich inzwischen keine Frage von Talent, sondern von Vertrauen. Die Lektion, die ich mitnehme, ist simpel, auch wenn sie schwer umzusetzen ist: erst hören, dann drücken, nie umgekehrt. Jedes Mal, wenn ich diese Reihenfolge vertausche, kommt ein Kiekser oder ein Ton, der irgendwo daneben liegt. Halte ich sie ein, klappt es öfter, als ich elf Wochen vorher für möglich gehalten hätte.

Ich schreibe dir das, während draußen die Kühe von nebenan schon ruhig sind und nur noch die Grillen zu hören sind. Nächsten Sonntag berichte ich dir, ob das hohe G endlich sitzt, oder ob ich dir wieder von einem Kiekser erzählen muss. Bis dahin, meine Liebe.

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